Laudatio von Prof.Dr.-Ing. Michael P. Zeuch

Für den ersten e-Procurement-Award 2003 hielt Prof. Dr.-Ing. Michael P. Zeuch, Professor an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt die 

Laudatio:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist mir eine Ehre – und in dieser schönen Stadt in der Wachau auch ein besonderes Vergnügen, – die Preisträger des ersten Austrian e-Procurement Awards mit einer Laudatio zu würdigen.

Wenn man die Innovationskraft von Unternehmen messen und beschreiben will, gehört eine Angabe über den Einsatz elektronischer Medien sicherlich zu den wesentlichen Kriterien. Österreich sieht sich an der Spitze, aus Deutschland habe ich eine aktuelle Zahl zur Verfügung, dass nämlich 47% der deutschen Industrieunternehmen elektronische Marktplätze im Einkauf nutzen, weitere 16% planen dies für die nächste Zukunft. Angesichts der Tatsache, dass sich diese Technologie erst in der Mitte der 90er Jahre etabliert hat, ist diese Entwicklung sicherlich bemerkenswert. Unternehmen im best-practice-Feld beschaffen bereits bis zu 40% ihres Transaktionsvolumens auf Marktplätzen. Dass darunter demnach auch schon A- und B-Teile zu finden sein müssen, liegt auf der Hand. Eine Tatsache, die ich persönlich vor 4 Jahren noch für höchst unwahrscheinlich bezeichnet hatte.

Initiator für eine solche Entwicklung ist in den meisten Fällen der Einkauf, der sich nach der Integration des TQM, der Logistik (JIT) und der Globalisierungsaktivitäten nun erneut einer Herausforderung in einem höchst dynamischen Wettbewerbsumfeld stellen muss. Alle genannten Themenfelder boten und bieten ein je nach Branche und strategischer Ausrichtung unterschiedliche Erfolgspotenziale, aber wohl in keinem hat eine derartige Begeisterungswelle epidemieartiger Aktivitäten und vor allem auch Unternehmensgründungen im sog. dot.com – Bereich ausgelöst. Viele sind dabei auf der Strecke geblieben, obwohl gute Geschäftsideen vorhanden waren, die jetzt in der zweiten sanfteren Welle von den Nachfolgern genutzt werden. Gleichwohl gibt es rein operativ noch eine Menge ungelöster Probleme, bekunden doch 70-80% der Nutzer von elektronischen Märkten Unzufriedenheit mit der Erfüllung ihrer Bedürfnisse.

Über diejenigen, die sich zwar engagiert, aber trotzdem mit eigenem Sachverstand und kontrolliertem Optimismus dem e-Business zugewandt und mit Erfolg e-Procurement betrieben haben, soll heute abend berichtet werden. Die Organisatoren hatten drei Preise ausgelobt, und zwar auf der Einkäufer- und der Lieferantenseite je einen für eine vorbildliche Praxislösung.

Auf der wissenschaftlichen Seite war eine Prämiierung einer neuartigen Lösung geplant, die wir aber nicht vergeben konnten. Möglicherweise hätte die Forderung nach hohem Innovationsgehalt hinsichtlich eines Gesamtkonzeptes aus Einkaufsstrategie, Prozessreorganisation und Technologie deutlicher kommuniziert werden müssen. Auch war die Öffnung der einreichbaren Arbeiten von der Studienarbeit bis hin zur Dissertation sicherlich kein wohldurchdachter Ansatz. Wir bitten die Einreicher, uns diesen Umstand nachzusehen und bedanken uns nochmals für ihren qualifizierten Einsatz.