Weltmarkt. Ein Vierteljahrhundert wurde verhandelt, seit 1. Mai gilt es: Das EU-Mercosur-Abkommen streicht die Zölle auf über 90 Prozent der EU-Exporte nach Südamerika. Während Handelskonflikte den globalen Einkauf zur Risikozone machen, öffnen sich anderswo Türen. Wie man beides im Griff behält, zeigt der 15. September in Innsbruck.

Klaus Blachnik, Vorstandsmitglied der BMÖ und Senior Vice President Procurement und CPO der OMV
Jahrzehntelang lief der Einkauf im Hinter-grund: bestellen, verwalten, Kosten drücken. Diese Zeiten sind vorbei. Unterbrochene Lie-ferketten, neue Zollschranken und der Wettlauf um kritische Rohstoffe haben die Beschaffung zur strategischen Kernfrage gemacht – auch für Tiroler Betriebe, die Vormaterial, Maschinen oder Elektronik aus Übersee beziehen. „Vom Verwalten zum Gestalten“, bringt es Klaus Blachnik, Vorstandsmitglied der BMÖ und Senior Vice President Procurement und CPO der OMV auf den Punkt. „Im Jahr 2026 ist der stra-tegische Einkauf also ein Gestalter von Chancen und Manager von Risiken und das mit größtmög-licher Effektivität und Effizienz!“ Dass Krisen längst nicht mehr die Ausnahme sind, sondern der Normalfall – und manchmal nicht nacheinander, sondern parallel auftreten –, hat die Branche in den vergangenen Jahren ver-innerlicht. Selbst der Pandemie gewinnt Blachnik im Rückblick Positives ab: Sie habe die Digitalisie-rung in vielen Bereichen beschleunigt. „In jeder Krise ist auch eine Chance!“ Türen nach Süden und Osten Zur Risikolage kommt eine Gegenbewegung. Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen unterzeichne-ten die EU und die Mercosur-Staaten im Jänner ihr Handelsabkommen, seit 1. Mai wird es vorläufig an-gewendet. Fast zeitgleich schlossen die EU und In-dien ihre Verhandlungen ab – Indien senkt seine Zöl-le für mehr als 90 Prozent aller EU-Handelsgüter. Für den Einkauf heißt das: neue Bezugsquellen, gerin-gere Kosten – vorausgesetzt, Ursprungsregeln und Präferenznachweise stimmen. Global Sourcing müs-se eine Kernkompetenz des Einkaufs sein, betont Blachnik: Wer die globalen Märkte in den wesent-lichen Kategorien kennt, kann in der Supply Chain „Risiken reduzieren und Kostenvorteile durch ge-schicktes Agieren“ erreichen. Der Algorithmus kauft mit Das zweite große Werkzeug heißt künstliche Intel-ligenz. „Wir haben bereits vor drei Jahren mit der konkreten Nutzung von KI im Einkauf begonnen und nutzen sie heute in allen Bereichen des Ein-kaufsprozesses“, sagt Blachnik von der OMV – wohl wissend, dass täglich Neues erscheint. Sein Rat an Betriebe ohne eigene Einkaufsabteilung: mit dem beginnen, was ohne große Hürde verfügbar ist und sich sofort ausprobieren lässt. „Die Hemmschwelle muss niedrig sein, und es gehört mit Sicherheit eine gute Portion Neugierde auf Neues dazu. Dabei aber auch auf jeden Fall die Risiken im Auge behalten, die sich möglicherweise durch die Anwendung von KI ergeben.“
Treffpunkt Innsbruck
Genau dieser Austausch kommt am 15. September nach Tirol: Der BMÖ – Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich – lädt nach Stationen in Salzburg und Dornbirn erstmals zu den Procurement Dialogues nach Innsbruck, von 14:30 bis 19:00 Uhr in die Wirtschaftskammer Tirol. Kooperationspartnerin ist die Außenwirtschaft Tirol mit dem Enterprise Europe Network: die Erstanlaufstelle für alle Internationalisierungsbelange, von Import-und Exportberatung über Geschäftspartnersuche im Ausland bis zu Förderungen und Exportdokumenten – eingebettet in ein Netzwerk mit 3.000 Expert:innen in 60 Ländern.
Warum sich der Nachmittag lohnt? „Lernen per se ist in der heutigen Zeit nochmal wichtiger geworden“, sagt Blachnik. Die Procurement Dialogues seien eine „ideale und einmalige Gelegenheit, voneinander und von anderen zu lernen, Wissen auszutauschen, aber auch Anregungen zum Nachdenken zu bekommen“. Der Weltmarkt wartet nicht – aber man kann ihm vorbereitet begegnen.
Wenn Sie mehr erfahren und Ihre Verhandlungen sowohl theoretisch als auch vor allem mit vielen praxisnahen Beispielen verbessern möchten, nutzen Sie unser 3-tägiges Training oder fragen Sie eine individuelle Inhouse-Schulung an.
Procurement Dialogues Tirol 2026
15. September 2026
14:30–19 Uhr Wirtschaftskammer Tirol,
Innsbruck